Die Reise

1968 wurde ich in Wesel am Niederrhein geboren und man sagt, es wurde während der Entbindung gelacht. Dieses Lachen trägt mich seither durchs Leben. Es gab für mich noch keine Situation, die nicht ein Lachen wert gewesen wäre!

Meine Eltern verkauften vor ihrer Pensionierung Schallplatten und CDs. Da lag es nahe, dass in unserem Haushalt jeder seinen musikalischen Vorlieben frönen konnte. Bei mir blieb bis heute ein Faible für Pop- und Klaviermusik bestehen.

Nach einer mittelmäßigen Schullaufbahn, während der ich Heuschnupfen, Neurodermitis und Bronchial-Asthma entwickelte, wagte ich nach meinem Abitur im Jahre 1988 mein Coming-Out als schwuler Mann, um unter anderem den Allergien auf den Leib zu rücken.

Über eine abgebrochene kaufmännische Lehre im elterlichen Geschäft und ein nicht vollendetes Sozialpädagogik Studium gelangte ich 1991 als Student an die Folkwang Hochschule in Essen. Das vierjährige Studium von Schaupiel, Gesang und Tanz empfinde ich nachwirkend als Gestalttherapie, in der ich immer mehr über den Kern meines Charakters herausfand. Von 1995 bis 2003 tingelte ich durch verschiedene Produktionen an einigen Stadttheatern in Deutschland. Währenddessen wurde mir allerdings klar, dass mir für den Beruf des Musical-Stars die unentbehrliche Profilneurose fehlte.

1998 infizierte ich mich mit dem HI-Virus. Eine medikamentöse Therapie lehnte ich zunächst ab, doch als ich 2003 an NHL (hoch malignes Non-Hodgkin-Lymphom) erkrankte, entschied ich mich doch dafür entsprechende Tabletten einzunehmen, um das Virus in Schach zu halten. Ich gab viel Geld für alternative Heilansätze, Zusatzpräparate und Beratungen aus, doch an Chemotherapie, Bestrahlung und anti-retroviraler Therapie kam ich nicht vorbei. Die Rückkehr in mein „altes“ Berufsleben war aussichtslos.

2003 war auch das Jahr in dem ich mit meinem heutigen Mann die Lebenspartnerschaft beschloss.

Kay & Rüdi unterm Drachenbaum